Wappen

Am 28. Oktober 1935 erhielt die Gemeinde Hörbranz von der Vorarlberger Landesregierung nachfolgend beschriebenes Gemeindewappen verliehen. Der Wortlaut des Wappens ist folgender:

Die Vorarlberger Landesregierung erteilt der Gemeinde Hörbranz nach Anhörung des Bundeskanzleramtes gemäß § 3 der Gemeindeordnung für das Land Vorarlberg die Bewilligung zur Führung des nachstehend beschriebenen und in Farben ausgeführten Wappens.

Ein goldener von einem roten mit einem silbernen Schwert mit goldenem Griffe belegten Schrägrechtsbalken durchzogener Schild. Den Schild umgibt eine ornamentierte bronzefarbene Randeinfassung.

Der Grafschaft Montfort-Bregenz zugehörig, war Hörbranz dem 1806 aufgelösten Verbandes des Gerichtes Hofrieden eingegliedert und kam 1523 an Österreich. Kirchlich seit alters her der Pfarrei Bregenz zugeteilt, wurde in Hörbranz, nachdem dort seit dem 15. Jahrhundert eine nur zeitweise besetzte Lokalkaplanei bestanden hatte, 1656 ein Kuratbenefizium und 1756 eine Pfarrei errichtet.

Patron und Zehentherr war der Abt von Mehrerau.

Ernährte sich ursprünglich die Bevölkerung ausschließlich durch Landwirtschaft, so entwickelte sich der Ort in der Folge durch zahlreiche Betriebe (Schmelz- und Hammerwerke, Filzfabrik, Wolldeckenfabrik, Fabrik chem.Produkte etc) zu einer ansehnlichen Industriegemeinde. Geschäftstüchitgkeit und Arbeitsamkeit verbürgen den Wohlstand der blühenden Gemeinde.

Zur Beurkundung der Wappenerteilung erfolgt die Ausfertigung dieser Urkunde.

Bregenz, am 28. Oktober im Jahre Eintausendneunhundertfünfunddreißig (1935).

Für die Vorarlberger Landesregierung
Der Landeshauptmann: E. Winsauer

 

Wappenerläuterung und geschichtliche Erinnerung:

Die Original-Wappenurkunde wurde durch Kaligraph und Wappenmaler Peter HÄMMERLE, Hard, auf echtem Pergament (Ziegenfell)geschrieben und das Wappenbild von demselben in Farben ausgeführt; Schild und Schwertgriff sind echt vergoldet.

Bisher hatte Hörbranz kein eigenes Gemeindewappen. Der Mangel eines solchen wurde schon seit Jahren beim Gemeindeamt und zumal vom derzeitigen Gemeindesekretär misslich empfunden und so entschloss sich der Gemeindesekretär Anton SIGG, nicht eher zu ruhen, bis auch die Gemeinde Hörbranz nach dem Beispiel anderer Gemeinden ihr eigenes Gemeindewappen erhalten hätte. Seinen Entschluss, sich der Aufgabe der Beschaffung eines geeigneten Wappens zu widmen, brachte er dem damaligen Gemeindevorsteher Franz Xaver HIEBELER und dem damaligen Gemeindevertreter Schulleiter Johann GRABHERR zur Kenntnis, die sich hiemit sehr einverstanden erklärten; besonders Schulleiter Grabherr sagte seine Mithilfe bei den Vorarbeiten freudig zu.

Auf das hin rief die Gemeindevertretung im Oktober 1928 eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben, der die Vorbereitung des Antrages und die Ausarbeitung eines Wappenentwurfes obliegen sollte. Diesem Ausschuss gehörten an die Herren Gemeindevertretungsmitglieder: Johann GRABHERR, Josef FESSLER, Adolf RUPP und Anton SIGG.

Schon in den vorausgegangenen Jahren hatte sich Sekretär Anton SIGG mit dem Studium dieser Wappenfrage befaßt und war bereits im Jahre 1921 mit dem Landesarchivar Viktor KLEINER in Bregenz diesbezüglich in Fühlung getreten. Seit 1921 bis 1935 erfolgten zahlreiche mündliche und schriftliche Informationen, Nachforschungen und Beratungen, woraus ersichtlich, dass man die Sache keineswegs übereilen wollte, sondern bestrebt war, möglichst das Zutreffendste und Befriedigendste zu schaffen, Wie ernsthaft und gründlich dieses Vorarbeiten betrieben wurden geht daraus hervor, dass mit folgenden kompetenten Stellen und Fachleuten in Verbindung getreten und deren Rat eingeholt wurde:

1.Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz
2. Heraldischer Verein „Adler“ in Wien
3. Heraldischer Verein „Herold“ in Berlin
4. Schweizer Heraldische Gesellschaft in Bern
5. Regierungsrat Viktor Kleiner, Landesarchivar in Bregenz
6. Hochw. Herr Pfarrer Bertle von Sigmarszell
7. Dr. Andreas Ulmer, Kirchenarchivar in Bregenz
8. Dr. Helbok, Universitätsprofessor in Innsbruck
9. Dr. Gebhard Winsauer, Schulinspektor in Feldkirch
10. Hans Hämmerle, Wappenmaler in Bregenz
11. Joh.Bapt. Kalb, Wappenmaler in Dornbirn und
12. Peter Hämmerle, Wappenmaler und Kalligraph in Hard.

Im Zuge dieser Beratungen und Erhebungen standen schließlich mehrerlei Vorschläge und Entwürfe zur Entscheidung. Einige Vorschläge gingen dahin, nicht nur den Namen des Ortes, sondern auch die in der Gemeinde vertretene Erwerbstätigkeit in Vergangenheit und Gegenwart symbolisch zum Ausdruck zu bringen, und sollte darin nach Möglichkeit aufscheinen die sinnbildliche Darstellung für folgende Begriffe: Ortsname, die Laiblach (Laiblachtal), Landwirtschaft, Gewerbe (Säge- und Mühlenindustrie), Weinbau, Flachs- und Hanfbau, Handweberei, Eichenwaldbestand. 1

1 Bezüglich der Säge-und Mühlenindustrie etc. verdient erwähnt zu werden, dass laut eines Kaufvertrages vom 15. Mai 1653 betr. Verkauf der Herrschaftsmühle (Zwangsmühle) an der Laiblach (heutige Herrnmühle) von Erzherzog Ferdinand Karl zu Österreich, Graf von Tirol etc., an Kaspar Schoch, österreichischer Kriegsrat, Kämmerer, Obrist und Obristhauptmann, am Laiblachwerkkanal dazumal schon 9 Betriebe bestanden, und zwar:

1 Hammerschmitte des Georg Haltmeier, 1 Säge des Hans Haltmeier, 2 Mühlen des Herrenmüller, 1 Säge des Max Haltmeier, 2 Sägen des Johannes Kienbach und Konsorten, 1 Papiermühle und die Hohen-Landenberg’sche Mühle.)

Jedoch schon bald kam man zur Einsicht, dass ein solch vielgestaltiges, kombiniertes Wappen undeutlich, kleinlich, unschön und den heraldischen Regeln minder entsprechend wirken würde, und so entschloss man sich schließlich zur Wahl einer einfachen, lediglich den Namen Hörbranz sybolisierenden Wappenfigur, wie das schon wiederholt von den zu Rate gezogenen Fachleuten empfohlen worden war.

Der Name des ersten alemannischen Siedlers dieser Gegend, Herebrand, gab sonach Veranlassung, das durch seinen Namen Angedeutete, nämlich ein Heeres-Schwert, als heraldische Figur für das geplante Wappen zu wählen. Und so gelangte in unserem Wappen ein Kriegsschwert, und zwar in der kurzen, spezifisch alemannischen Form, wie sie auch geschichtlich überliefert ist, zur Darstellung.

Die Tinkturen oder die Farbengebung des Wappenbildes und seiner Bestandteile: silbernes Schwert mit goldenem Griff in rotem Schrägrechtsbalken auf goldenem, damaszierten Schild, wurden durch allgemein heraldische und ästhetische Erwägungen bestimmt.

Es muß zugegeben werden, dass die Wahl der besagten Wappenfigur, wie sie hier erscheint, eine in jeder Hinsicht glückliche ist, nicht nur inhaltlich, insofern in diesem sogenannten „sprechenden“ Wappen der Name und die älteste Geschichte des Ortes bezeichnend zum Ausdruck kommt, sondern auch in der für das Auge gefälligen bildlichen Aufmachung, nämlich in der Anordnung der Bestandteile und der vornehm wirkenden Farbengebung. Die ornamentierte bronzefarbene Randeinfassung, wie sie für Gemeindewappen durchwegs empfohlen wird, dient zur besseren Hervorhebung des eigentlichen Wappenbildes.

Noch in einer anderen Hinsicht ist die Wahl eines Kriegsschwertes in unserem Falle als Wappenemblem begrüßenswert: Es weist nämlich hin auf die wiederholten kriegerischen Ereignisse, die sich im Lauf der Jahrhunderte auf dem Boden von Hörbranz abgespielt haben. Dieses Gelände bildete in den Kriegsläuften der Vergangenheit mehrmals den Aufmarschraum für feindliche Heerscharen zum Einfall ins Land Vorarlberg, so in den letzten Jahrhunderten im Schwedenkriege 1647, im spanischen Erbfolgekrieg 1703, im österreichischen Erbfolgekrieg 1744 und denn in den Franzosenkriegen 1796-1809.

Mehrfache geschichtliche Erinnerungen sind es sonach, die sich an den Namen Hörbranz knüpfen. Noch eine andere geschichtliche Feststellung möge hier gemacht werden, die unserer Ortsgemeinde eine gewisse auszeichnende Stellung in der Reihe der Siedlungsorte unseres Landes zuweist: Hörbranz nämlich, das bekanntlich außer dem Kirchdorf aus einer großen Anzahl eingegliederter Parzellen, wie Ziegelbach, Laiblach, Weidach, Backenreuthe, Fronhofen, Berg, Diezlings, Leonhards u.a. besteht, kann wohl den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die älteste urkundlich genannte ländliche Siedlung des heutigen Vorarlberg zu sein. Aus Urkunden, die im St. Galler Stifts-Archiv verwahrt werden, ist festzustellen, dass bereits im Jahre 802, also zur Zeit Karls des Großen, nach einer in Bregenz ausgestellten Urkunde der Priester Dingmund eigenen Besitz, der u.a. in Laiblach (Liubilunaha) gelegen, dem Kloster in St. Gallen überträgt. In einer zweiten Urkunde von 815, ebenfalls im Stifts-Archiv St. Gallen, überträgt ein „Hadupert“ Besitz im Argengau, u.a. in Ziegelbach (Ziagalpach), an das Kloster St. Gallen. Beide hier im frühesten Mitelalter genannten Ortsbezeichnungen sind heute, nach mehr wie 1100 Jahren, noch im Gebrauche und bezeichnen heute noch bestehende Siedlungen.

Der heutige Name „Hörbranz“ geht auf den althochdeutschen Personennamen Herebrand’s (2. Fall oder Wes-Fall des Namens) zurück. Die ältesten urkundlichen Formen des Ortsnamens: Herebrandeswilar, 1226 (siehe Helbok, Regesten von Vorarlberg und Liechtenstein bis 1260, Nr. 362) und Herebrandeshoven, 1262 (Wirtemberg. – Urk.-Buch VI, 50/51) beinhalten soviel als: Siedlung (Weiler oder Hof) des Herebrand. Der Personenname Herebrand, Herebrant, selbst bedeutete Heeres-Schwert. In der Folgezeit erscheint der Name in den folgenden Abwandlungen: Heribrants, Herbrantz, Herbrands, Herbranz, heute Hörbranz. Aus dieser Entwicklung des Namens ergibt sich, dass die heutige Form „Hörbranz“ mit dem Trüblaut ö statt e sprachgeschichtlich nicht zutreffend, sondern nur durch mundartliche abgeschliffene Aussprache entstanden ist und dass darauf getrachtet werden sollte, die richtigere Form Herbranz wieder allgemein zur Geltung zu bringen.

Die Diözesan-Zugehörigkeit der Gemeinde und Pfarre Hörbranz betreffend, sei noch ergänzend bemerkt, dass der Ort bis zur Angliederung Vorarlbergs an die Diözese Brixen 1819 als von alters her zur Mutterpfarre Bregenz gehörig mit dieser und noch 37 anderen Pfarreien des Vorarlberger Unterlandes dem uralten, 1821 aufgelösten Bistum Konstanz zugeteilt war.

Schließlich kann mit Befriedigung festgestellt werden, dass das Gemeindewappen von Hörbranz von den berufensten und prominentesten Fachleuten in jeder Hinsicht als sehr gut gelungen bezeichnet wird. Im weiteren wird noch auf die ausführlichen und leichtverständlichen Darlegungen des Herrn Dr. Winsauer, Bezirksschulinspektor in Feldkirch, bezüglich Hörbranz und dessen Wappen, verlautbart in der „Alemania“, Heft 7, 1936 und 1, 1937, verwiesen.

Dr. Andreas Ulmer, Kirchenarchivar
Viktor Kleiner, Landesarchivar